Es gibt Situationen, die sind zum aus der Haut fahren. Vielleicht weil man sich ungerecht behandelt fühlt oder weil man Zeitdruck hat oder weil sich das Gegenüber an Arroganz und Überheblichkeit durch nichts überbieten lässt. Was solche Situationen fast alle gleich haben: wir fühlen uns hilflos. Und es gibt – neben z. B. Angst – wenig Emotionen, die einen Menschen so aus der Bahn werfen können, wie Hilflosigkeit. Das Gefühl ausgeliefert zu sein, nichts tun zu können, ist blanker Stress.

Um das nicht fühlen zu müssen, benutzen fast alle Menschen das gleiche Gegenmittel: Tun. Schnell, viel Tun. Was ist egal. Hauptsache das Gefühl von Lähmung und Starre verschwindet. Nur hat dieses Tun dann eine leicht wuselige Energie, denn im Hintergrund läuft das Nervensystem auf Hochtouren. Und würde eigentlich viel lieber … Ja, was? Das arrogante Gegenüber würgen? Den Stau auf dem Standstreifen überholen?

In so einem Moment mal nicht ins wuselige Tun über zu gehen, sondern sich – nach ein paar tiefen Atemzügen – zu fragen: „Wenn ich jetzt so könnte, wie wollte, was würde ich dann jetzt tun? Und wie würde ich es tun?“ ist der nachhaltige Weg raus aus der Starre und der Hilflosigkeit.

Und es geht jetzt nicht darum, das arrogante Gegenüber dann wirklich zu würgen. Vielmehr ist das Innehalten, Nachspüren und Wahrnehmen dessen was ist hier der Schlüssel. Wahrzunehmen, was der Körper mit der mobilisierten Energie gerne tun würde und sich das dann im Kopf vorzustellen, lässt die gestaute Energie wieder in Fluss kommen.

Und auch wenn das jetzt vielleicht unlogisch klingt: je langsamer Sie die Bilder in Ihrem Kopf ablaufen lassen, um so schneller ebben die unguten Gefühle ab. Nehmen Sie in aller Ausführlichkeit wahr, wie Ihr Körper dieses Mobilisieren macht. Muskel für Muskel oder ist die Spannung gleichzeitig an mehreren Stellen? Was macht die Atmung? Was für Gedanken sind parallel im Kopf?

Durch diese Achtsamkeit hat diese wuselige Energie keine Chance und Sie können angemessen reagieren.

manchmal scheint es wie verhext. Als wenn sich die ganze Welt gegen einen verschworen hätte, kommt irgendwie alles gleichzeitig: die Beziehung kriselt, der Job läuft nicht wirklich rund und die Gesundheit macht ihrem Namen auch grad keine Ehre. Aber wo anfangen mit aufräumen? Es sind einfach zuviele Baustellen gleichzeitig. Und so steht man gefühlt mit einem Kinderplastikschäufelchen vor dem Mount Everest und versucht ihn abzutragen.

Viele resignieren an diesem Punkt, denn es ist ja offensichtlich: hieran kann man nur scheitern. Warum also anfangen? Wo auch? Hier beißen sich eh alle Katzen selber in den Schwanz.
Aber das tun sie bei genauerem Hinsehen nicht. Und genau darum geht es. Genauer hinsehen. Und sortieren.

  • welches ist jetzt in diesem Moment das wichtigste Thema, um das ich mich als erstes kümmern will?
  • welches ist jetzt in diesem Moment das zweitwichtigste Thema?
  • welches kommt jetzt in diesem Moment dann?
  • und welches dann?

Der Zusatz „jetzt in diesem Moment“ ist hier ein kleiner Trick um unser Unterbewusstes ein wenig zu überlisten. Denn dadurch signalisieren wir allen Baustellen: ihr seid alle wichtig und ich schaue mir jede von euch an – aber der Reihe nach. Das funktioniert ungefähr genauso wie wenn Sie einer horde lärmender Kinder sagen, dass sie die Bonbons nur bekommen, wenn sie sich grad mal Ruhe geben und sich in einer Reihe aufstellen.

Allein dieses Sortieren nach der jetzigen Dringlichkeit schafft Raum. Und den braucht es um (wieder) den Überblick zu bekommen.

Klar kommen die anderen Baustellen auch immer wieder mal gucken, ob sie jetzt endlich dran sind. Aber wenn Sie sich das Bild der lärmenden Kinderhorde – oder welches vergleichbare Bild Ihnen hier in den Sinn kommt – dann wieder vor Augen halten, fällt es Ihnen leicht(er) den roten Faden nicht zu verlieren. Und eine Baustelle nach der anderen anzugehen.

Und wenn Sie Ihre innere Rasselbande allein nicht gebändigt bekommen, übernehme ich hier gerne die Moderatorenrolle.

Grundlage der Terror-Management-Theorie ist, dass der Mensch ein sich selbst bewusstes Individuum ist. Will heißen: Wir wissen, dass wir leben, dass wir existieren. Doch für diese Erkenntnis zahlen wir einen hohen Preis: Wir wissen dadurch nämlich auch, dass wir eines Tages sterben werden. Und „das Bewusstwerden der eigenen Sterblichkeit (Mortalitätssalienz) verursacht eine lähmende Angst (engl. terror), die durch die Selbsterhaltung ausgelöst wird.“ (Wikipedia)

Um jetzt diese Angst irgendwie zu managen und unter Kontrolle zu halten, mobilisiert der Mensch seelische Abwehrkräfte. Und das verändert unser Denken und Handeln häufig erheblich. Das beweisen mittlerweile über 400 Studien zu dieser Dynamik. Und es ist erstaunlich, wo im alltäglichen Leben wir dieser Terror-Management-Theorie überall unbewusst begegnen. Jedes Mal wenn wir z. B. in den Nachrichten Meldungen über Tod und Verwüstung hören, wird uns – unbewusst – unsere eigene Sterblichkeit deutlich.

Um die dann schnell wieder aus dem Kopf zu bekommen, verbindet sich der Mensch mit kulturellen Weltbildern (Glaube, Astrologie, Partei, Fußballverein etc.). Denn: wenn wir uns etwas anschließen, das größer ist als unser kleines Ich, fühlen wir uns (wieder) sicher und beschützt. Das erhöht zum einen wieder unser Selbstwertgefühl und macht uns auf eine gewisse Weise unsterblich.

Die Sache hat aber einen riesen Haken: Haben wir uns aufgrund dieser Angst so einer „Sache“ angeschlossen, verschiebt sich unsere Werteebene. Auf einmal haben wir sogar das Zeug zum ultrapatriotischen Selbstmordattentäter – nur um diese Angst nicht wieder zu fühlen.

Und unbewusste Todesangst kann buchstäblich tödlich sein. Einige Forscher sind z. B. der Meinung, dass bereits der Aufdruck auf den Zigarettenpackungen „Rauchen kann tödlich sein“ erst recht Lust auf eine Zigarette macht. Denn wer möchte nicht mit dem Marboro-Mann am Lagerfeuer sitzen und das Gefühl von Freiheit und Weite erleben? Lungenkrebs hin, Raucherbein her.

Die Krux an der Sache: von all dem bekommen wir normalerweise nicht sonderlich viel mit. Irgendwo im Unterbewussten poppt diese vage Angst auf und schwups greifen wir zum Glimmstängel, gehen Shoppen, schimpfen auf wen auch immer … Hauptsache dieses blöde Gefühl verschwindet und wir fühlen uns wieder gut.

Die einzige wirksame und rundum gesunde Gegenstrategie ist Achtsamkeit. Denn achtsame Menschen sind quasi immun gegen diese Effekte da sie in der Lage sind bewusst im Hier & Jetzt zu bleiben.

Wenn Sie erleben möchten, wie Sie durch Achtsamkeit der alltäglichen Terror-Management-Theorie (besser) begegnen können, freue ich mich drauf, Ihnen meine Form der Achtsamkeit, ich nenne sie Somatic Mindfulness, in unserer gemeinsamen Arbeit näher zu bringen.

Im Moment stolpert man ja in der Presse und im Netz an allen Ecken und Kanten über die Themen Stress, Depression und Burnout. Überförderte Kinder hier, der zigste Promi, der beichtet, dass er unter Depressionen oder/und Burnout leidet da. Als wenn hier „endlich“ die Katze aus dem Sack dürfte. Und es wird geschimpft, auf alles und jeden.

Ja, es ist gut, wenn diese Themen endlich nicht mehr tabuisiert werden. Wenn Burnout endlich kein Makel mehr ist, den man am besten ganz schnell unter den Teppich kehrt. Wenn Scham und die Angst, versagt zu haben, nicht mehr Benzin ins Feuer schütten.

Am Bild eines Pendels wird deutlich, was hier gerade passiert: Hält man ein Pendel in Position 1 fest und läßt dann los, geht es erst einmal nahtlos in Position 2 und wird sich erst mit der Zeit in Position 3 einpendeln. Und es kann eine ganze Weile dauern, bis es in Position 3 zur Ruhe kommt, wenn überhaupt.

Nur hätten all die überreizten und überforderten Nervensysteme gerne, dass Position 2 ersatzlos gestrichen werden könnte und man es sich gleich in Position 3 gemütlich machen könnte. Jetzt wo wir das Problem doch erkannt haben. Aber da „das“ nun einmal so nicht funktioniert, kommt Aktionismus auf. Man will ja schließlich was tun und drüber reden und nicht tatenlos zusehen. Und schwups geht der Stress weiter.

Zwar hat er scheinbar die Richtung gewechselt, aber eben nur scheinbar. Denn Fakt ist: wir bekommen die Unruhe im Inneren nicht in den Griff, weil wir nicht (mehr) wissen wie.

Nochmal zurück zum Bild mit dem Pendel: Es ist, als ob man versucht mit zitternder Hand das Pendel zur Ruhe zu bekommen. Rein physikalisch kann das nicht funktionieren, das ist klar. Und das hat auch nichts mit Nicht-Wollen oder Nicht-Können zu tun. Man kann zu Hilfsmittel greifen, die die Hand ruhiger werden lassen. Aber auch das wäre reine Augenwischerei.

Ich schlage vor, das Pendel einfach mal für eine Weile aus der Hand zu legen und zu beobachten, was passiert wenn man aufhört gegen die Gesetze der Natur anzukämpfen, wenn man aufhört einen Schuldigen zu suchen, wenn man aufhört sich zu rechtfertigen, wenn man aufhört nach Gründen zu suchen … Denn all das ist wieder Aktionismus. Und wie ungesund der ist, muss ich wohl nicht besonders betonen, oder?

Was passiert, wenn ich all diese Energie mal nicht nach Außen gebe, sondern beobachte, wie mein inneres Pendel zur Ruhe kommt. Das kann eine Weile dauern, ja. Und es ist auch nicht einfach all den inneren Antreibern zu widerstehen. Aber es ist es wert auszuprobieren.

 

 

Letzte Woche habe ich keinen Newsletter geschrieben, denn mich hatte irgendein Erkältungs-Virus erwischt. Und ich musste mir eingestehen, dass ich ins Bett gehörte. Diese Erkenntnis und die Umsetzung fiel mir nicht leicht. Da sind doch die Kunden und die Klienten. Und das Laub im Garten. Und die Hunde müssen raus. Und der Kühlschrank ist fast leer. Und … Aber es half nichts, mein Körper forderte seine Ruhe.

Nur als ich da in meinem wohligen Bett lag, neben mir die Taschtücher-Box und der Tee, gaben meine inneren Antreiber keine Ruhe. Mir fielen tausend Sachen ein, die ich eigentlich jetzt machen sollte. Also habe ich das getan, was ich in den letzten Jahren in meinen diversen Ausbildungen gelernt habe: ich habe meinen inneren Beobachter aktiviert und genau hingeschaut, wer da was von mir will. Ich habe diese inneren Stimmen nicht versucht wegzudrücken (was eh nicht funktioniert) und ihnen auch nicht nachgegeben. Ich habe ihnen einfach nur in aller Ruhe zugehört und beobachtet, was sie von mir wollen. Und siehe da, nach einer Weile wurde es still(er) in meinem Kopf und auch mein Körper entspannte sich.

Ja, die innere Unruhe war am Anfang unangenehm. Und wir Menschen versuchen, Unangenehmen aus dem Weg zu gehen. Also geben wir den inneren Stimmen nach (sie haben ja schließlich auch recht), werfen ein paar Anti-Erkältungs-Pillen ein und machen weiter. Nur: der Körper hat durch die Krankheit versucht zu zeigen, dass es ihm grad alles zu viel ist, dass er eine Pause braucht.

Schenkt man diesen inneren Antreibern einmal in aller Ruhe Gehör fällt auf, dass einem die Stimmen irgendwie bekannt vorkommen. Hat meine Mutter das nicht mal zu mir gesagt? Der Satz könnte jetzt von meiner Schwester/meinem Bruder stammen. Und Papa Lebensweisheiten gingen auch in die Richtung.

Stimmt, denn: Diese inneren Antreiber sind nicht unsere, wir haben sie nur als die braven Kinder, die wir einmal waren, internalisiert. Und so haben sie sich unbemerkt in unsere eigenen Gedanken eingereiht. Ich lade Sie heute ein, einer Idee Raum zu geben. Nämlich der Idee, dass diese Stimme(n) nicht Ihre ist. Nehmen wir also einmal an es wäre so und Sie würden dieser Stimme bei einer Tasse Kaffee oder Tee in aller Ruhe zuhören. Was würden Sie dieser Stimme dann sagen bzw. antworten? Wie würden Sie auf die Forderungen reagieren?

Dieser Idee Raum zu geben funktioniert nicht nur, wenn man krank ist. Es funktioniert auch, wenn man seinen Tag plant. Und je öfter man diese innere Stimme enttarnt, um so ruhiger wird sie. Meine hat, Übung sei Dank, schnell die Klappe gehalten und ich konnte mich in aller Ruhe erholen.

Erden, entschleunigen, Nickerchen oder Power-napping, wie es geschäftig auch heißt. Die Rezepte von Erholungsexperten sind vielfältig. Aber egal welchen Namen das Kind hat, jeder Mensch weiß: Pausen sind unbedingt notwendig, um Überlastung zu verhindern und körperliche oder seelische Schäden abzuwenden. Aber nur, wenn auch zwischen Anspannung und Entspannung die Balance stimmt. Denn nur rumhängen, ohne Ziel oder Aufgabe, ist auf Dauer eh langweilig und kann sogar depressiv machen.

Die Länge der Pause kann – je nach der aktuellen Situation – variieren. Es kann z. B. reichen, bewusst beide Füße auf dem Boden zu spüren, um eine plötzlich auftretende Gereiztheit abzubauen.

Der Nachteil an vielen empfohlenen Techniken ist schlicht die Umsetzbarkeit. Ich kann mich im Büro nicht für 20 Minuten ausklinken, um mich nach dem Tobsuchtsanfall meines Chefs durch Yoga wieder zu entspannen. Und wenn ich mir in Gegenwart einer Kollegin an die Stirn klopfe, um mich durch Klopfakpressur davon abzuhalten ihr an die Gurgel zu gehen, könnte sie das falsch verstehen.

Wem Zeit und Raum fehlen, der kann zumindest einige der folgenden nützliche Tipps befolgen: Den Raum lüften, weil Sauerstoff belebt. Wasser trinken. Hände und auch das Gesicht kalt waschen und den Puls mit Wasser kühlen. Das Knabbern von Studentenfutter kann ich auch sehr empfehlen. Und ein Blick aus dem Fenster, um z. B. Autos oder Fußgänger zu zählen, kann auch ungemein beruhigend sein.

Manchmal kommt einfach alles auf einmal und man glaubt, schier überrollt zu werden. Und irgendwie ist es auf einmal wie verhext: kaum gibt der Fernseher seinen Geist auf, raucht kurz danach dann auch der Computer ab oder/und das Auto versagt uns seine Dienste. Als wenn unsere „Technik“ heimlich den kollektiven Exodus vereinbart hätte. Dumm daran ist, dass uns so was nicht nur auf einen Schlag viel Geld kostet, auch die Rennerei und die Zeit bis alles wieder im Lot ist, kann schon mal an die Substanz gehen. Und meist passiert in dem Gewusel dann das nächste Unheil oder/und die Gesundheit macht nicht mehr mit.

So lange im Außen alles in ruhigen und geregelten Bahnen verläuft, ist im Innen zumeist auch Ruhe angesagt und uns geht’s gut. Außer vielleicht die Ruhe dauert zu lange an, dann wird das Innen unruhig. Als wenn wir ohne ein gewisses Maß an Unruhe nicht leben könnten. Und doch sehnt sich jeder Mensch nach Ruhe, Entspannung und ein Leben ohne Stress. Die angeblich schönste Zeit im Jahr ist ja der Urlaub. Aber für viele ist nach 2 Wochen schon wieder genug mit Ruhe.

Was aber tun, wenn an Ruhe überhaupt nicht mehr zu denken ist und immer noch was oben drauf kommt? Wenn die Gesundheit anfängt Schaden zu nehmen und sogar die Beziehung anfängt zu leiden? Manchmal kann dann ein Gespräch mit einem Außenstehenden helfen, den Blick (zumindest ein wenig) zu klären und Prioritäten neu oder anders zu setzen.

Eine spannende Frage, die einem eine kleine Richtung in seinem ganz persönlichen kleinen oder großen Chaos geben kann, habe ich von meinem lieben Lehrer Matthias Varga von Kibéd übernommen und vielleicht triggert sie ja bei dem einen oder anderen was an:

Wem würde ich, wenn ich x oder y jetzt (nicht) tun würde, un-ähnlicher?

Viel Spaß beim Grübeln!

Stellen Sie sich einmal die folgende Szene vor: Sie sitzen mit Ihrem Partner im Auto. Sollten Sie Kinder oder Haustiere haben, denken Sie sich die mal kurz in bester Obhut bei wem auch immer. Sie und Ihr Partner sind auf dem Weg in ein wohlverdientes Wellness-Wochenende. Dementsprechend entspannt ist die Stimmung im Auto und Sie freuen sich auf die vor Ihnen liegenden Tage. Sie lassen die Landschaft einfach nur an sich vorbei rauschen. Bis Ihr Partner Sie so eher nebenbei fragt: „Schatz, hast Du eigentlich das Fenster im Schlafzimmer zu gemacht? Es soll ja ziemlich schütten am Wochenende.“

Schlagartig ist von Enspannung nicht mehr die Rede. Da wo eben noch Ruhe in Ihrem Körper war, ist plötzlich Aufruhr. Die Gedanken rasen, das Herz macht gleich mal mit und die Atmung … Nun, die findet nur noch irgendwo im Kehlkopfbereich statt.

Je nachdem auf welchen Stresslevel Sie diese Frage katapultiert hat, kann es eine Weile dauern, bis Sie wieder klar denken können. Bis Sie die Zeit vor der Abfahrt im Detail Revue passieren lassen können. Denn unser (Nerven)System braucht eine Weile, bis es den Stress-Hormon-Cocktail der durch diese „harmlose“ Frage abgefeuert worden ist, so weit abgebaut hat, dass klares Denken wieder möglich ist. Und je nachdem wie gut unser (Nerven)System mit dieser Befeuerung umgehen kann, kann es mal schneller gehen und manchmal bleiben wir sogar „da oben“ kleben.

Das ist dann der ideale Nährboden für einen zünftigen Streit. „DU solltest doch die Fenster kontrollieren. ICH hab schließlich schon das ganze Packen an der Backe gehabt.“ wäre ein „logischer“ Gegenangriff, wenn das eigene (Nerven)System droht einen im Stich zu lassen. Aber die Bandbreite der möglichen Reaktionen ist hier schier unendlich. Sie haben aber alle eins gemeinsam: Sie sind wahnsinnig schnell.

Und schon stecken wir mit unserem Partner oder unseren Kindern oder wem auch immer mitten im dicksten Streit. Und das „nur“, weil unser Körper auf irgendeinen, vielleicht sogar nur so dahingesagten Satz reagiert hat. Die Krux an der Sache: Das geht so schnell, dass man den eigentlichen Anlass überhaupt nicht mitbekommen hat. Man „weiß“ nur, dass der andere einem gerade mega Unrecht tut … einen in all dem was man doch so leistet, nicht sieht … einen nie unterstützt … man sich immer um alles selber kümmern muss … etc. etc. etc.

Jetzt aber die gute Nachricht: Durch eine begleitete Entscheunigung kann unser Hirn wieder lernen, auf den Körper und seine Signale zu hören. Und wenn das Hirn diese Signale wieder wahrnehmen kann, kann es verstehen, was der Körper da eben gehört hat und angemessen reagieren. Ich sage hier in aller Deutlichkeit WIEDER, denn mit dieser Fähigkeit sind wir auf die Welt gekommen. Sie ist nur auf unserem Weg ins Erwachsenwerden verschütt gegangen.

Das kennen Sie sicherlich auch: Sie fragen jemanden, wie es ihm geht und als Antwort bekommen Sie: „Passt schon.“ Was macht man (dann) mit so einer Antwort? Ignorieren oder nachfragen? Nachfragen kann gefährlich sein, denn häufig ist diese Antwort ein Ablenkungsmanöver, weil hinter der Fassade eigentlich grad nichts mehr passt. Also verschanzt man sich hinter diesen beiden Worten, denn in einem drin sind mehr Worte, als einem lieb ist.

Im alltäglichen Miteinander ist diese Form der Abgrenzung ab und zu sicherlich sinnvoll. Man muss schließlich nicht jedem auf die Nase binden, wie es um das eigene Innenleben grad so bestellt ist. Was geht es den Chef oder die Kollegen auch, warum man heute ein wenig verfusselt ist?

Was aber, wenn „Passt schon“ zum festen Bestandteil des Alltags wird? Bequem für die Umgebung, sicherlich. Und für eine Zeit wird dieser Verdrängungsmechanismus einem auch gute Dienste tun. Aber irgendwann kann man nirgendwo mehr was hinschieben, irgendwann passt kein Dreck mehr unter die Teppiche.

Dann kommt noch ein weiteres Problem dazu: Die Umgebung nimmt einem das „Passt schon“ nicht mehr ab, wenn die Augen, die ganze Körperhaltung eine andere Sprache sprechen. „HILFE!!“ steht da, „ICH KANN NICHT MEHR!!“ Und wenn sich dann einer nicht mit „Passt schon“ zufrieden gibt, sondern wirklich nachfragt, … Dann wird’s gefährlich. Dann kann der ganze irgendwann einmal nicht gefühlte „Kram“ auf einmal gucken kommen (wollen). Ein Tsunami droht.

Mein Tipp: Ein bisschen weniger „Passt schon“ und ein bisschen mehr „Nicht so doll“ tut der Seele gut. Dann bekommt sie Raum und fühlt sich nicht weggeschoben. Muten Sie sich Ihrer Umgebung ruhig mal zu! Sie werden sehen, die Gegenseite wird erleichtert feststellen, dass sie auch endlich mal nicht die Fahne hochhalten muss und ein bisschen „let go“ praktizieren darf. Eine Wohltat für beide. Und einen Test allemal wert.

Da hat man die ganze Woche gearbeitet und am Wochenende ist sie dann plötzlich da: die Langeweile. Für die einen das süße Nichtstun, für anderen ein Zustand der kaum auszuhalten ist. Also raus in den Garten, rauf auf Rad, rein ins Museum … Der Mensch ist sehr erfinderisch, wenn es darum geht, nicht Nichts zu tun.

Nur: Woher kommt diese fast schon Panik vor dem Nichtstun? Denn rein kognitiv wissen wir: wir brauchen diese Pausen um uns zu erholen und wieder die Batterien aufzuladen. Und trotzdem treibt uns dieses plötzliche Sinnvakuum, das gerne mit dem Gefühl der Einsamkeit einhergeht, raus aus dem Liegestuhl und rein in einen teilweise hochgradig ungesunden Aktionismus.

Der Schlüssel heißt hier: begleitete Entschleunigung. Klingt zunächst paradox, macht aber bei genauerem Hinsehen Sinn. Denn wir stürzen uns ja in den Aktionismus weil wir von etwas weg wollen. Von einem unguten Gefühl, von einem Glaubenssatz … Im Somatic-Coaching entschleunige ich diese Fluchtimpulse, um zu schauen, was diese ausgelöst hat. Es geht hier nicht darum, sie zu verhindern oder zu unterdrücken. Sondern sie sind der Schlüssel zu dem, was man durch sie versucht zu verhindern oder zu unterdrücken.

So wird die Dynamik deutlich und das was uns fast panisch werden lässt, kann an Bedeutung verlieren. Dadurch entsteht Raum für das süße Nichtstun – ohne schlechtes Gefühl und ohne schlechtes Gewissen.

© 2011-2012 Coach Karin Intveen v1