Vielleicht passiert Ihnen am Wochenende ja auch so etwas unerwartetes. Lassen Sie sich doch einfach mal drauf ein … Und jetzt viel viel Spaß mit dem youtube-Video. Auch wenn Sie die “free hugs” vielleicht eh schon kennen, mich berührt es jedes Mal wieder, wenn ich es mir anschaue.

Die ersten (Rollen-)Vorbilder, die wir haben, sind unsere Eltern (manchmal auch die älteren Geschwister). Später kommen dann Freunde und deren Eltern, Lehrer, Chefs, Kollegen usw. dazu. Manche sind für uns gute Vorbilder, manche eher schlecht. Und das meine ich jetzt im doppelten Sinne. Denn „gut“ und „schlecht“ hat hier zwei Blickwinkel: in unseren Augen gut (für uns) oder in den Augen der Gesellschaft/Umgebung gut (für uns). Und hier kann die Schere manchmal ziemlich weit auseinander gehen

Für unsere Entwicklung sind (Rollen-)Vorbilder wichtig. Sie sind wie eine Messlatte. Und auch das kann gut oder schlecht sein. Denn was, wenn wir das Ziel so zu werden wie das Vorbild, nicht erreichen? Was, wenn wir nicht genügen? Dann ist häufig Frust und Stress vorprogrammiert.

Aber es kann auch stressen, kein (gutes) Vorbild zu haben. Schlechte Vorbilder findet man ja gefühlt an jeder Ecke. Der cholerische Chef, die zickige Kollegin, die ständig unzufriedene Freundin und der Freund, der irgendwie nicht aus dem Quark kommt (die Wahl der Geschlechter hat übrigens keine Bedeutung). Aber gute Vorbilder?

Viele neigen bei der Suche nach einem (guten) Vorbild gerne dazu, eine Person des öffentlichen Lebens zu wählen. Und übersehen dabei eins: das, was wir von diesen Personen zu sehen bekommen, ist nur eine Seite der Medaille. Die Privatperson, also die, die genau wie man selbst morgens ungeschminkt, zerknittert und wortkarg ihren Kaffee schlürft, sehen wir nicht. Wir sehen das, was wir sehen sollen – und was wir sehen wollen. Und wir wollen die Macken und Fehler auch überhaupt nicht sehen. Die kennen wir aus unserem Alltag zur Genüge. Wir wollen uns entführen lassen in eine schöne Welt, in der alles möglich ist.

Aber was taugt EIN Vorbild, wenn es nicht „vollständig“ ist? In meinen Augen wenig – außer wir erkennen diese Unvollständigkeit an. Denn dann  haben wir die Freiheit uns überall die Rosinen rauszupicken. Und dadurch anzuerkennen, dass niemand perfekt ist – auch man selber nicht.

 

Pflückt man das Wort „notwendig“ ein wenig auseinander, wird die Bedeutung dieses Wörtchens klar: was muss getan werden, um Not abzuwenden?

Wenn es um das Thema Geld ausgeben geht, eine durchweg interessante Frage, die ich Ihnen gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit und dem scheinbar dazugehörenden Geschenkemarathon ans Herz legen möchte. Wende ich mit diesem Geschenk Not ab oder für was ist das Geschenk gut? Dient es der Beschwichtigung meines schlechten Gewissens oder kaufe ich es halt, weil es auf irgendeiner Liste steht? Oder ist für den Empfänger wirklich Not abwendend? Und wenn nicht, was könnte denn Not abwendend sein?

Vielleicht werden Sie den Begriff der Not ein wenig befremdlich finden, aber allein dieses kleine Wörtchen rüttelt auf. Und macht sensibel für etwas, was in meinen Augen in unserer Konsumgesellschaft schon lange aus den Augen verloren worden ist.

Kaufen ist heute für viele eine Ersatzbefriedigung um ein Loch irgendwo in der Herzgegend oder im Bauch zu füllen. Und das klappt beim Kaufen scheinbar am besten. Denn Kaufen ist simpel betrachtet ein Ausgleich von Nehmen und Geben. Ich will etwas haben und bekomme es. Und dafür zahle ich einen Preis. Und bin befriedigt und zufrieden. Wäre da nicht so ein eckliges kleines Gefühl von Mangel, was sich kurz nach dem Shoppingerlebnis wieder einstellt. Für manche ist dieser Teufelskreis der Start in die Kaufsucht.

Sich hier vor dem Regal stehend die Frage zu stellen, welche persönliche Not diese Anschaffung denn abwenden würde, ist sicherlich eine unbequeme Frage. Welcher Mangel soll ausgeglichen werden? Und hier geht es nicht nur um eine äußerliche Not oder einen äußerlichen Mangel, sondern auch um Not und Mangel im Innen.

Ich weiß, dass diese Fragen durchweg spaßfrei sind. Ja, Kaufen ist leichter und spaßiger. Aber auch nur in dem Moment. Denn das ungute Gefühl, wenn das Kaufen eben nur der Ersatzbefriedigung gedient hat, kommt. Garantiert. Lassen Sie die Frage „Ist das wirklich notwendig?“ einfach mal eine Weile bei jedem Einkauf (ruhig auch im Supermarkt) mitschwingen und lassen Sie sich überraschen, wo Sie dann so in Ihren Gedanken landen. Und selbst wenn Sie „es“ dann doch kaufen, können Sie sicher sein: Unüberlegt war der Kauf nicht – und diese Gewissheit fühlt sich gut an. Sie werden sehen.

Letzte Woche habe ich keinen Newsletter geschrieben, denn mich hatte irgendein Erkältungs-Virus erwischt. Und ich musste mir eingestehen, dass ich ins Bett gehörte. Diese Erkenntnis und die Umsetzung fiel mir nicht leicht. Da sind doch die Kunden und die Klienten. Und das Laub im Garten. Und die Hunde müssen raus. Und der Kühlschrank ist fast leer. Und … Aber es half nichts, mein Körper forderte seine Ruhe.

Nur als ich da in meinem wohligen Bett lag, neben mir die Taschtücher-Box und der Tee, gaben meine inneren Antreiber keine Ruhe. Mir fielen tausend Sachen ein, die ich eigentlich jetzt machen sollte. Also habe ich das getan, was ich in den letzten Jahren in meinen diversen Ausbildungen gelernt habe: ich habe meinen inneren Beobachter aktiviert und genau hingeschaut, wer da was von mir will. Ich habe diese inneren Stimmen nicht versucht wegzudrücken (was eh nicht funktioniert) und ihnen auch nicht nachgegeben. Ich habe ihnen einfach nur in aller Ruhe zugehört und beobachtet, was sie von mir wollen. Und siehe da, nach einer Weile wurde es still(er) in meinem Kopf und auch mein Körper entspannte sich.

Ja, die innere Unruhe war am Anfang unangenehm. Und wir Menschen versuchen, Unangenehmen aus dem Weg zu gehen. Also geben wir den inneren Stimmen nach (sie haben ja schließlich auch recht), werfen ein paar Anti-Erkältungs-Pillen ein und machen weiter. Nur: der Körper hat durch die Krankheit versucht zu zeigen, dass es ihm grad alles zu viel ist, dass er eine Pause braucht.

Schenkt man diesen inneren Antreibern einmal in aller Ruhe Gehör fällt auf, dass einem die Stimmen irgendwie bekannt vorkommen. Hat meine Mutter das nicht mal zu mir gesagt? Der Satz könnte jetzt von meiner Schwester/meinem Bruder stammen. Und Papa Lebensweisheiten gingen auch in die Richtung.

Stimmt, denn: Diese inneren Antreiber sind nicht unsere, wir haben sie nur als die braven Kinder, die wir einmal waren, internalisiert. Und so haben sie sich unbemerkt in unsere eigenen Gedanken eingereiht. Ich lade Sie heute ein, einer Idee Raum zu geben. Nämlich der Idee, dass diese Stimme(n) nicht Ihre ist. Nehmen wir also einmal an es wäre so und Sie würden dieser Stimme bei einer Tasse Kaffee oder Tee in aller Ruhe zuhören. Was würden Sie dieser Stimme dann sagen bzw. antworten? Wie würden Sie auf die Forderungen reagieren?

Dieser Idee Raum zu geben funktioniert nicht nur, wenn man krank ist. Es funktioniert auch, wenn man seinen Tag plant. Und je öfter man diese innere Stimme enttarnt, um so ruhiger wird sie. Meine hat, Übung sei Dank, schnell die Klappe gehalten und ich konnte mich in aller Ruhe erholen.

Das ist eine der Fragen, die einen schier zur Verzweiflung bringen kann. Da ist „etwas“ vorgefallen und dieses etwas hängt einem nun nach. Der interne Dialog dreht und wendet sich und je länger man drüber nachdenkt, um so weniger kommt man zu einer Entscheidung. Denn es gibt genauso viele gute Gründe was zu sagen, wie den Mund zu halten. Und je länger dieser Zustand anhält, um so lauter wird die Stimme, die da sagt: „Jetzt kannst du auch nichts mehr sagen. Jetzt musst du es halt aushalten.“

So passiert bei einer Klientin von mir, der schon eine Weile nicht passt, dass eine Kollegin zu internen Terminen eingeladen wird, obwohl sie da eigentlich nichts mehr zu suchen hat. Diese Kollegin war die Vorgängerin meiner Klientin und hat die Abteilung nach einer internen Bewerbung auf eigenen Wunsch hin verlassen.

Ich denke mal, jeder der schon einmal in so einer Soll-ich-was-sagen-Situation gesteckt hat, weiß, welche Argumente da im Kopf vom links nach rechts und wieder zurück geschoben werden.

  • „Die denken dann sicher, du bist nur eifersüchtig.“
  • „Sie war ja nun auch lange dabei.“
  • „So schlimm ist es ja nun wieder auch nicht.“
  • „Das erledigt sich bestimmt eh bald von selbst.“

Das, was diese Stimme – meist recht erfolglos – versucht, ist dieses kleine Wütchen in der Magengegend zu besänftigen. Denn „Verdammt noch mal, die hat da nichts mehr zu suchen! Das ist jetzt mein Platz!“ will auch gehört und beachtet werden. Dieser Teil will nichts verständnisvoll sein. Dieser Teil will sein Recht. Und das zu recht. Nur haben wir irgendwann einmal gelernt – gerade als Frau –, dass sich so ein Wütchen nicht gehört.

Ich habe meine Klientin gefragt, wie denn ihr Verhältnis zu Wut so ist. „Mein Verhältnis zu Wut? Ich bin eigentlich nie wütend. Und laut werde ich schon mal gar nicht.“ Davon hatte ich in der doch recht inbrünstigen Darstellung der Situation zwar wenig bemerkt, aber als das Thema auf dieses unangenehme Thema kam, war ihre Stimme wieder sanft und eher leise.

Was viele übersehen: Wut kann zwei Richtungen haben. Eine, die nach Innen gerichtet ist (acting in) und eine die nach Außen gerichtet ist (acting out). Keine der beiden Formen ist besser als die andere. Nur mag die Umgebung das acting in eben lieber. Und so schlucken wir um des lieben Friedens willen das was uns stört halt runter – und da wütet es dann weiter.

Daher mein Tipp: Ab und zu mal nicht schlucken und schon ist die Frage „Soll ich was sagen?“ keine Frage mehr. Und wenn Ihnen hier Ihr Selbstbild in die Quere kommt, erkunde ich gerne mit Ihnen Ihr Verhältnis zur Wut. Denn ob Sie es glauben oder nicht: Sie haben eins.

Pünktlichkeit oder der Mangel an ihr ist ein wunder Punkt im Zusammenleben von Menschen. Zeit ist ja bekanntlich Geld, aber darum allein geht es schon lange nicht mehr. Zeit ist unserer schnelllebigen Zeit zu einem wertvollen Gut geworden und das verteidigen wir mit allen Mitteln.
Was aber macht die einen Menschen zu pünktlichen und die anderen zu unpünktlichen? Hier gibt es ungefähr so viele (wissenschaftliche) Theorien, wie Ausreden von Zuspätkommern. Und was helfen einem schon all diese Theorien, wenn man gerade auf dem besten Wege ist, zu einem wichtigen Termin zu spät zu kommen? Nichts, denn das Herz rast, die Nerven liegen blank und man könnte vor Wut platzen.

Häufig machen die es eher noch schlimmer, denn hier geht es vielfach um Schuld: man ist – wie immer – zu spät losgefahren, man hat – wie immer – seine Sachen nicht aufgeräumt und musste daher suchen, man hat – mal wieder – die Parkplatzsituation nicht eingeplant … All diese „Gründe“ haben eins gemeinsam: an irgendeiner Stelle hat man versagt. Kein guter Startpunkt um ein Verhalten nachhaltig zu ändern, finden Sie nicht?

Ich gehe im Somatic-Coaching lieber den anderen Weg und schaue auf das Wofür? Welches alte Muster wiederholt sich hier und wann und wofür ist es irgendwann einmal enstanden? Für mich ist Unpünktlichkeit zunächst ein Symptom und die Ursache ist noch unbekannt. Hier auf einer reinen Verhaltensebene neue Strategien einzustudieren, kann nicht nachhaltig sein, wenn ich meinen inneren Saboteur nicht kenne. Da kann ich noch so viele Zeitmanagementtechniken kennen und anwenden, ich werde vielleicht pünktlich sein, ja. Aber der Stress wird der gleiche sein wie vorher. Und damit ist nicht wirklich etwas gewonnen. Außer vielleicht für die Umgebung, die nicht mehr wartet. Aber auf das, was da abgehetzt und genervt um die Ecke kommt, hätte man lieber noch ein bisschen gewartet.

Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Und kaum ein Coach wird seinen Klienten auf der reinen Erfahrungsebene das Wasser reichen können. Denn der eine Klient kommt aus einem Großkonzern mit den dort typischen Themen, der nächste aus einer Behörde und wieder ein anderer aus einem kleinen Familienbetrieb. Hier alle Facetten der jeweiligen Unternehmenskultur aus eigenem Erleben zu kennen, ist kaum möglich. Und auch nicht nötig.

Und doch sollte ein Coach erlebt haben, was es heißt, in einem Team zu arbeiten. Einen Chef und Kollegen zu haben und mit denen einfach klar kommen zu müssen. Irgendwie. Fluch und Segen von Hierarchien selber erlebt zu haben. Kurz: die Business-Welt aus dem eigenen Erleben heraus kennen.

Gerade hier reicht in meinen Augen Empathie nicht aus um die gleiche Sprache zu sprechen. Denn der Klient wird merken, ob der Coach weiß, wie es sich anfühlt, einen nervigen Chef zu haben oder ob er es eben nur weiß.

Wenn ich heute Klienten berate, die sich neu in einer Führungsfunktion zurecht finden müssen, habe ich unter und in meiner Empathie all die Erinnerungen an meinen eigenen Wechsel von den einen Tischseite auf die andere. Das erzähle ich meinen Klienten nicht, oder nur sehr selten. Aber es schwingt in meiner Arbeit mit und ich kann Dinge hinterfragen, die man in keinem Buch findet.

Es ist nicht die Zahl der Jahre, die hier entscheidend ist. Es ist, dass es überhaupt da ist.

© 2011-2012 Coach Karin Intveen v1