Der Mensch ist nicht fürs Alleinsein geschaffen. Selbst dem eingefleischtesten Single geht es ab und zu auf den Wecker – auch wenn er das wahrscheinlich niemals zugeben würde. Und doch braucht es Phasen des Alleinseins. Um sich (wieder) zu sortieren, um sich (wieder) zu spüren, um (wieder) in Ruhe nachdenken zu können. Und das nicht nur in einer bestehenden Beziehung, sondern auch – oder gerade – wenn eine Beziehung zu Ende gegangen ist.

Nur scheuen gerade hier viele das Alleinsein und stürzen sich lieber gleich wieder in die nächste Beziehung anstelle sich eine Pause zu gönnen. Nach meiner Scheidung war ich fast ein Jahr Single – und ich habe es genossen und im gleichen Maß gehasst. Genossen habe ich es, an mir völlig neue Facetten zu entdecken. Gehasst habe ich all die Selbstzweifel. Aber beides war wichtig. Beides hat viel sortiert und geklärt.

Auf den ersten Blick scheint eine neue Beziehung einfacher zu sein. Denn all die Schmetterlinge im Bauch lenken so wohltuend ab. Überdecken all das, was durch die Trennung noch wund ist. Lindern all das was weh getan hat und noch weh tut. Aber Schmetterlinge machen auch ein bisschen blind. Und wenn dann zu all dem eh noch wunden das nächste böse Erwachen kommt, …

Innerlich getrieben flüchten viele dann erst recht ins Partyleben und/oder in die nächste Beziehung. Hier kann ein Teufelskreis beginnen, der Verbitterung, Härte und Verachtung (sowohl gegen das andere Geschlecht, als auch gegen sich selbst) zur Folge haben kann. Und in vielen Fällen hat. Denn gebranntes Kind scheut das Feuer. Und so wird man zum Zyniker – und das doch eigentlich nur um den alten Schmerz nicht fühlen zu müssen.

Zeit kann hier wirklich einige Wunden heilen. Aber Zeit kann hier auch zum Problem werden. Nämlich dann, wenn man sich das Alleinsein schön redet. Wenn es eher eine Flucht ist, denn ein Erholen und Regenerieren.

Beides, Flucht und Angriff, sind auf Dauer weder gesunde noch erwachsene Strategien. Um (sich) auszuprobieren durchweg geeignet. Keine Frage. Aber Ziel sollte es sein, wieder heil und neugierig in eine neue Beziehung zu gehen. Denn der Mensch ist nicht fürs Alleinsein geschaffen. Auch wenn Ihre persönliche Geschichte Sie vielleicht eines anderen belehrt hat.

Diesen Satz hatte eine Klientin von mir von ihrem Partner um die Ohren gehauen bekommen. Und dieser Satz hatte gesessen. Und nachdenklich gemacht. … Und hilflos. Denn sie wusste zwar so ungefähr, was er meinte. Aber zum einen empfand sie es nicht so extrem wie er. Und zum anderen hatte sie keine Idee wie sie es ändern könnte. Sie liebte ihren Partner, das war klar. Und auch er liebte sie. Aber so konnte es irgendwie nicht weitergehen. Es musste was passieren.

Und nun saß sie mir gegenüber und hoffte auf Tipps. Die ich – gerade in so einem Fall – nicht gebe. Denn jeder Tipp meinerseits könnte nur ein Tipp auf der Verhaltensebene sein. Und Tipps auf der Verhaltensebene sind so nachhaltig wie die Schaumkrone auf einem schlecht gezapften Bier.

Ich habe daher mit ihr erkundet, was denn überhaupt so passiert, wenn ihr Partner „näher rückt“. Was denkt der Kopf? Wie reagiert der Körper? Was passiert dann?

Wie wir mit Kontakt umgehen (können), haben wir irgendwann einmal von unseren Eltern gelernt. Sehr viel davon in einer Zeit, in der unser Sprachzentrum noch nicht sehr ausgebildet war. Wie wir damals berührt und wahrgenommen wurden und wie wir berühren durften, hat uns tief geprägt.

War z. B. Mama spröde und fand sie Emotionen und Empfindungen eher störend, waren wir als Kind in einem Konflikt. Denn ein Kind kommt nicht so auf die Welt, das es in dieses Bild reinpasst. Es muss sich anpassen – und zahlt dafür zunächst den Preis der Verwirrung. Denn es fühlt, empfindet etwas und wird von Mama dafür getadelt. Das Kind kann noch nicht unterscheiden oder begreife, dass Mama hier einen „Knoten in der Optik“ hat. In der kindlichen Logik ist klar: Das was ich hier fühle, ist falsch/schlecht. Also wird es weggepackt, damit Mama einen wieder lieb hat. Also wird man in der Folge selber spröde und Emotionen und Empfindungen gegenüber durchweg misstrauisch.

Und dann kommt da ein Partner und will kuscheln, will Nähe, will Kontakt …

Da unser Körper gelernt hat hier dicht zu machen, bremst der Partner voll gegen die Wand. Und beide sind irritiert. Denn eben war noch alles okay und plötzlich ist nichts mehr okay.

Im Neuverhandeln dieser alten Muster liegt die Stärke von Somatic Coaching. Denn diese Muster sind im Körper gespeichert und im Somatic Coaching spreche ich mit Ihrem Kopf UND Ihrem Körper. Wie, nun finden Sie es doch heraus und vereinbaren einen Termin.

Beziehungen halten in der Regel eine Menge aus. Nur Untreue gehört eindeutig nicht dazu. Dieser Vertrauensbruch ist kaum zu kitten, denn die Angst „Was wenn er/sie es doch wieder tut?“ bleibt – und macht misstrauisch.

Ich weiß, dass ich jetzt ein ganz heißes Eisen anpacke, aber nach meinem Weltbild ist der Partner, der den Seitensprung begeht, nicht der einzige Verantwortliche. Damit ein Dritter oder eine Dritte überhaupt „Platz“ in einer Beziehung bekommt, war schon vorher nicht alles im Lack. Und dafür sind beide verantwortlich.

Die Lösung ist also gemeinsam nach den Ursachen für die Untreue zu suchen. Denn jede Partnerschaft hat ihre eigene Dynamik und die basiert auf dem Innenleben der beiden Liebenden.

So neigen z. B. Männer dazu, ein durch Frust im Job angeschlagenes Selbstwertgefühl durch einen Seitensprung wieder aufzupolieren. Der Erfolg der Eroberung kann aber auch dem Ego der gefrusteten Hausfrau und Mutter ziemlichen Auftrieb geben. Hier spricht man dann vom narzisstischen Seitensprung.

Untreue kann auch, so unlogisch das jetzt klingen mag, aufgrund von zu viel Harmonie und Nähe passieren. Hintergrund ist häufig, dass ein Mensch in sehr jungen Jahren durch eine z. B. sehr gluckenhafte und mit ihrer „Liebe“ alles erdrückende Mutter erlebt hat, dass (große) Nähe eine Bedrohung der Eigenständigkeit ist. Der Seitensprung ist dann die vermeintliche Lösung, die vermeintliche innere Abhängigkeit zum Partner zu bekämpfen.

Mit 60 % ist aber die Entfremdung in der Liebesbeziehung die häufigste Ursache für einen Seitensprung. Und anders als bei den beiden anderen Gründen, war hier der Seitensprung eigentlich nicht gewollt und ganz sicher nicht geplant. Es ist irgendwie passiert und dann wird deutlich, wie sehr aus der Beziehung die Luft raus ist, dass die Ehe zu einer gut funktionierenden Wirtschafts- und Versorgungsgemeinschaft geworden ist.
Man hat gemeinsam resigniert. Und bleibt aus welchen äußeren Gründen auch immer zusammen. In diesem Kontext finde ich den Begriff der „Bindungs- oder Gedächtnisspuren“ sehr treffend. Kleiner Gedankenschubser: Welche Bindungs- oder Gedächtnisspuren hat Ihre Beziehung bisher schon hinterlassen?

Wie treu können wir Menschen überhaupt sein?

Genauso wie viele auf das Gut der Treue schwören, genauso gibt es Stimmen die behaupten, Monogamie wäre ein Relikt aus alten Zeiten. Der Mensch könne überhaupt nicht monogam leben. (Im Tierreich wären schließlich auch nur 3 % der Säugetiere monogam.) Wieder andere meinen, Treue sei nur das Resultat einer tiefsitzenden Lebensangst vor dem Alleinsein.

Für mich gehört zum „Ja!“ zu einem Partner, und was anderes ist Treue nicht, innere Stärke und Engagement. Gerade dann, wenn der Partner – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr dem gewünschten Ideal entspricht. Denn Treue hat nichts mit Augen-zu-und-durch zu tun. Treue hat mehr etwas mit Flexibilität und Impulskontrolle zu. Nämlich der Impulskontrolle nicht gleich wegzulaufen und ins nächstbeste Bett zu hüpfen, wenn es mal doof wird.

Aber: Treue sollte man nicht automatisch gleichsetzen mit Glück. Auch wenn treue Menschen einen glücklicheren und ausgeglicheneren Eindruck machen als die von innerer Unruhe und Anspannung getriebenen Untreuen.

Manchmal ist es besser sich zu trennen, ja. Aber dann sollte ein Seitensprung hier nicht der Auslöser sein. Das hat in meinen Augen keine Beziehung verdient.

So lautet der Titel eines Udo Jürgens Songs. Egal, ob man ihn nun mag oder nicht: Der Liedtext ist es wert einmal genauer hinzuhören.

Gerade, wenn es ums Thema Beziehung geht, dreht es sich in den Coachings häufig um die Frage: „Was will ich (wirklich)?“ Will ich überhaupt eine Partnerschaft und wenn ja, wie soll sie aussehen? Was soll der andere tun, können, lassen …? Vielen meiner Klienten ist klar, was sie alles nicht wollen. Und auch warum nicht. Aber – wie Udo Jürgens in seinem Lied – mit Inbrunst sagen zu können, was man (vom anderen) will, … Hier wird es dann eher still, als inbrünstig.

Bei manchen aus Angst (wieder) enttäuscht zu werden. Aber wenn ich dann gezielt nachgefrage, kommt die sehr leise formulierte Antwort: „Ich weiß es nicht.“ Und in dieser Erkenntnis lag viel Resignation. Denn gerade, wenn wir Beziehungstechnisch bereits die eine oder andere Bruchlandung hingelegt haben, wissen wir wirklich nicht (mehr) was wir wollen. Wie sich Begriffe, wie „gut“ oder „stimmig“ in einer Beziehung anfühlen.

Häufig sind die ersten Kriterien, die wir an eine Partnerschaft ansetzen, die, die wir von unseren Eltern und unserer Umgebung gelernt haben. Und wenn die uns dann um die eigenen Ohren geflogen sind, stehen wir mit leeren Händen da. Und sind ratlos.

Hier gemeinsam mit einem Außenstehenden zu erkunden, wie denn eigene Kriterien aussehen könnten, ist ein erster Schritt hin zu der inbrünstigen Aussage „Ich weiß, was ich will!“.

Neugierig geworden, wie das sein könnte? Dann klicken Sie hier und lassen sich von Udo Jürgens anstecken anstecken

„Wir lieben uns nicht mehr.“ Mit diesem Satz scheint alles gesagt. Der nächste logische Schritt: die Trennung. Frage ich aber im Beziehungs-Coaching nach, was genau mit diesem Satz gemeint ist, schaue ich häufig in verwirrte Gesichter. Dann folgt zumeist die Aufzählung all der Versäumnisse des Partners, von all dem was fehlt, was man vermisst. Frage ich dann weiter, was denn gut war und vielleicht ja sogar noch ist, herrscht erst einmal Stille. Stille, in der das Gute wieder einen Platz finden kann. Denn irgendwann einmal war es ja gut. Sonst hätte man sich nicht in diesen Menschen verliebt.

Diese Spurensuche ist ein wichtiger Teil im Beziehungs-Coaching. Denn einfach nur wie ein Rohrspatz über den anderen und seine Versäumnisse zu schimpfen und dann das eigene Heil in einer neuen Beziehung zu suchen, ist keine gute Strategie. Beim nächsten Mann/bei der nächsten Frau wird nicht alles besser – vielleicht anders, aber nicht besser. Jedenfalls nicht auf Dauer.

Hier ist ein nicht nur sinnvoll, sondern sogar nötig, vor der eigenen Haustür zu kehren. Hinzuschauen, was genau da in mir geschieht. Warum ich mich so fühle, wie ich mich fühle. Welche Knöpfe der andere mir drückt. Auf den anderen schimpfen ist leichter, keine Frage.

Wer meint, in einer Partnerschaft müsse es immer und zu allen Zeiten intensivste Gefühle von Nähe, möglichst wenig Konflikte, leidenschaftlichen Sex, tiefschürfende Gespräche und Gerechtigkeit geben, sonst stimmt was nicht, rennt einem Ideal hinterher, dass so nicht haltbar ist. Denn mal Hand aufs Herz: welcher Mensch leistet das?

Auch mal Fünfe gerade sein lassen und dem anderen genau so viele Ecken und Kanten zugestehen, wie man selber hat (und ja auch haben will), nimmt eine Menge Druck raus. Und macht den Blick frei auf das gut ist.

„Und wenn sie nicht gestorben sind …“ So verkünden Märchen stets das Happy End. Davon träumen auch die meisten Paare vor ihrer Hochzeit. Vor allem Frauen haben zu Beginn einer Beziehung eine rosarote Brille auf. „Aber das ändert sich relativ schnell“, wissen die amerikanischen Psychologen Lynne Knobloch-Fedders (Northwestern University) und Roger Knudson (Miami University). Sie befragten Paare, vor und einige Zeit nach der Hochzeit, wie sie sich den idealen Partner, die ideale Beziehung und das ideale Verhalten in Konflikten vorstellten. Sie fanden heraus, dass fast nur Frauen zur romantischen Verklärung neigen. Männer sind da nüchterner. Innerhalb weniger Monate weicht aber auch beim weiblichen Geschlecht die Romantik dem Pragmatismus. Bereits ein Jahr nach der Ehe ist von den meisten Idealen nicht mehr viel übrig. Statt alles gemeinsam zu machen, geht man nun immer öfter getrennte Wege. Man hat sich von der Vorstellung des perfekten Glücks verabschiedet und versucht, Kompromisse zu schließen. Das muss allerdings kein Nachteil für die Beziehung sein. Gefährlich wird es, wenn man sich so stark auseinanderlebt, dass man überhaupt keine Übereinstimmungen mehr findet. Die Kunst eine Balance zwischen Honeymoon und Alltag zu finden, gehört daher zu den großen Herausforderungen in der Anfangsphase einer Ehe.

Lynne Knobloch-Fedders, Roger Knudson: Marital ideals of the newly married. Journal of Social and Personal Relationships, 2-3, 2009, 249-271 (Artikel aus Psychologie heute)

Jeder der eine längere Beziehung schon einmal geführt hat oder (noch) führt, weiß, wie schwierig es ist, die Beziehung „frisch“ zu halten. Unzählige Ratgeber liefern hierzu Tipps und Ideen. Aber eigentlich geht es irgendwann nicht mehr nur um die Auferstehung der Schmetterlinge im Bauch. Denn irgendwann gesellt sich auch Angst in eine Beziehung: Angst dem anderen bei genauerem Hinsehen (doch) nicht zu genügen. Angst, im Bett doch nicht so gut zu sein. Angst, den anderen zu verlieren.

Und Angst ist eine Last, die kaum eine Beziehung (er)tragen kann.

Daher mein Tipp: Die Balance zwischen Honeymoon und Alltag zu finden, ist möglich. Auch oder gerade nach der Anfangsphase einer Beziehung oder Ehe. Werfen Sie gemeinsam mit mir einen Blick auf Ihre Vorstellungen von Glück. Wo Sie kompromissbereit sind und wo nicht. Was Ihnen in Ihrer Beziehung Angst macht. Und was Sie an Ihrem Partner (noch) lieben. Oder eben nicht mehr. Was davon ist Ihr Anteil? Denn zu einer Beziehung gehören immer zwei.

© 2011-2012 Coach Karin Intveen v1