Eigentlich ist mit diesem Satz alles gesagt. Denn so ist es. Und doch geistern im Kopf so Sätze wie „Wie konnte ich nur …?“ oder „Warum hab ich nicht …?“ rum. Alles kleine ecklige Selbstvorwürfe, die einem sagen wollen: Du hast Mist gebaut / du hast dich falsch verhalten / das hättest du wissen müssen.

Nur Fakt ist: wir haben in dem Moment nach bestem Wissen und Gewissen entschieden und gehandelt. Punkt. Und selbst wenn das Kind dadurch in den Brunnen gefallen ist, hilft Nachkarten wenig. Was aber hilft, ist daraus lernen. Und hinschauen.

Hierfür ist der Ausgangspunkt „Hinterher ist man immer schlauer“ optimal. Denn mit dem Wissen von heute das Thema noch mal aufrollen, entschleunigen und sortieren hilft den eigenen Mustern auf die Schliche zu kommen. Und in diesem Kontext ist dann auch die Warum-Frage zielführend. Denn dann geht es darum herauszufinden, was die Motivation für das damalige Handeln war. Für was war es gut so und nicht anders gehandelt zu haben? Auf der Basis welcher Annahmen habe ich gehandelt, entschieden? War da Angst und wenn ja was waren die Befürchtungen?

Hier wertfrei zu bleiben und den zermürbenden inneren Kritiker draußen zu halten, ist nicht einfach. Aber mit ein bisschen Übung machbar. Der Schlüssel ist die Achtsamkeit im Hier & Jetzt. Denn dadurch, dass die Sache ja rum ist, kann man im Hier & Jetzt eh nichts mehr tun oder ändern. Man kann nur lernen, um es in Zukunft – vielleicht – anders zu machen. Ich sage bewusst „anders“ und nicht „besser“, denn zum einen beinhaltet „besser“ wieder die Selbstkritik, dass es diesmal schlecht war. Und zum anderen legt es die Latte hoch und liefert dem inneren Kritiker gleich ausreichend Munition für die nächsten Selbstvorwürfe. „Anders“ ist komplett offen und neutral. Alles ist möglich und nichts ist besser oder schlechter.

Schon interessant, welche Wirkung so kleine Wörtchen haben, gell?

“Die spontane Bewegung in uns allen zielt auf Verbindung. Ungeachtet, wie zurückgezogen und isoliert wir geworden sind, und ungeachtet der Schwere dessen, was wir erlebt haben, gibt es – gerade so wie die Pflanze sich spontan auf die Sonne zubewegt – in jedem von uns einen Impuls in Richtung Verbundenheit.” Laurence Heller

 

NARM ist ein therapeutisches Modell sowohl für die Behandlung von Entwicklungs- wie von Schocktrauma, welches nicht das Hauptaugenmerk auf die vergangenen Ursachen der Probleme, sondern auf die gegenwärtige Kapazität für biologische Selbstregulierung und interpersonelle Beziehungen richtet.

NARM übersetzt das gegenwärtige Verständnis der Selbstregulierung in die Praxis. Diese ressourcenorientierte, nicht regressive Methode vermittelt einerseits Bewusstheit für jene Teile des Selbst, die desorganisiert und in ihrer Funktion eingeschränkt sind, und bringt andererseits die Klienten mit den Teilen des Selbst in Kontakt, die organisiert, kohärent und funktionsfähig sind.

NARM betont die funktionale Einheit von biologischer und psychologischer Entwicklung.

NARM integriert ein beziehungsbezogenes, psychodynamisches mit einem der Funktionsweise des Nervensystems angemessenen Vorgehen.

NARM benutzt klinische Interventionen auf der Basis von Entwicklungswissen zusammen mit somatischer Achtsamkeit, um mit der Verbindung zwischen psychologischen Themen und dem Körper zu arbeiten, die Selbstregulierungskapazitäten des Körpers zu aktivieren und die Neuregulierung des Nervensystems zu unterstützen.

NARM anerkennt biologische Grundbedürfnisse, deren mangelhafte Befriedigung Selbstregulierung, Identität und Selbstachtung beinträchtigen und zu vorhersagbaren Symptomen führt. In dem Maß, in dem die Fähigkeit zur Befriedigung der Grundbedürfnisse nicht reift, entwickeln wir statt einer befriedigenden Lebensweise Überlebensstrategien, deren Aufrechterhaltung unsere Erfahrungen in der Gegenwart verzerrt und Desorganisation, Fragmentierung und Dysregulation und Entfremdung bewirkt.

Somatische Achtsamkeit sowie achtsame Wahrnehmung der Organisationsprinzipien von Überlebensstilen erlaubt, mit der Lebensgeschichte aus einer tieferen und weiteren Perspektive zu arbeiten als die Geschichte selbst. Die Verfolgung des aktuellen Prozesses von Verbindung und Abbruch, Regulierung und Dysregulierung hilft, sich selbstwirksam statt als Opfer der eigenen Geschichte zu erleben.

Von unten nach oben und von oben nach unten

Ständig gehen Informationen von unten nach oben, vom Körper zum Gehirn, und von oben nach unten, vom Gehirn zum Körper. Therapien und Techniken, die von oben nach unten arbeiten, betonen Erkenntnisse und Emotionen. Therapien und Techniken von unten nach oben konzentrieren sich auf den Körper, das Selbstwertgefühl und die instinktiven Reaktionen, wie sie vom Hirnstamm vermittelt werden und höheren Ebenen der Hirnorganisation zufließen.

NARM integriert beide Herangehensweisen, was die therapeutischen Optionen erheblich erweitert. Beim Arbeiten von unten nach oben benutzt NARM Techniken, die die feinen Verschiebungen im Nervensystem nutzt, um die Neigung des Gehirns zur Vorhersehbarkeit zu unterbrechen. Durch die Arbeit von oben nach unten konzentriert sich NARM auf Identität sowie die Bildung von Vorstellungen und Emotionen in ein Beziehungsmodell, das eine wachsende Fähigkeit zur Verbindung mit Selbst und Anderen unterstützt.

Mehr Dr. Laurence Heller und seiner Arbeit finden Sie hier …

Es ist wahrlich keine alltägliche Situation eine wildfremde Person anzurufen und herauszufinden, ob sie die richtige sein könnte, um mit ihr über die eigenen Probleme zu reden. Und so erzählen mir gerade im ersten – häufig telefonischen – Kennenlernen Interessenten viel. Viel von ihrem Anliegen, viel von ihrem Problem. Und vor allem viel von all dem, was sie bereits getan haben, was sie bereits versucht haben, was funktioniert hat und was nicht. Manchmal klingt das wie eine Entschuldigung, manchmal wie eine Rechtfertigung, warum sie überhaupt anrufen.

Dabei ist es gut, wenn sie viel erzählen. Denn dadurch habe ich die Möglichkeit einen ersten kleinen Einblick in die Gedankenwelt meines potentiellen Klienten zu bekommen.

Manchmal wird in all dem Erzählen nur eins vergessen: nämlich Fragen an mich zu stellen. Schließlich will man ja durch seinen Anruf herausfinden, ob (in diesem Fall) ich die Richtige bin für das eigene Anliegen. Ob ich in der Lage bin, bei der Lösung des Problems zu helfen. Hier helfe ich dann mit eigenen Fragen, die in die Richtung gehen: „Was erwarten/wünschen Sie sich von unserer Zusammenarbeit?“ Dann entsteht meist eine Pause, denn diese Frage ist nicht trivial und sie ist auch nicht leicht zu beantworten.

Ich frage bewusst nicht danach, wobei ich helfen kann oder was ich für den anderen tun kann, denn das würde implizieren, dass ich helfen oder etwas tun kann. Aber das kann ich nicht. Ich kann begleiten, ich kann hinterfragen, ich kann neugierig sein, ich kann einen sicheren Rahmen schaffen, ich kann zuhören – aber ich kann nicht helfen oder ich kann nichts für jemand anderen tun. Klingt unlogisch, weil z. B. begleiten und hinterfragen ja auch helfen oder etwas tun ist. Stimmt, nur ist der Fokus ein anderer.

Wenn ich begleite, setzt das voraus, dass der andere sich auch bewegt. Ich gehe also mit. Wenn ich jemanden helfe, heißt das nicht unbedingt, dass er sich selber bewegt. Ich kann auch helfen ohne das aktive Zutun des anderen. Nur mache ich so ungern die Arbeit meiner Klienten. Und daher biete ich auch keine Hilfe an, sondern z. B. meine Begleitung.

Wofür die für Ihr Anliegen hilfreich sein könnte, können wir ja in einem telefonischen Kennenlernen gemeinsam herausfinden.

Eine Klientin von mir hadert zurzeit ziemlich mit ihrem Job, denn eigentlich will sie etwas ganz anderes machen und sie weiß auch was. Alle Skills für die neue Aufgabe sind da, alle Voraussetzungen stimmen – nur an der Nachfrage scheitert es noch. Auf der anderen Seite kann sie sich in dem jetzigen Job, vor Nachfrage kaum retten. In der letzten Sitzung war sie der Verzweiflung nahe, denn eine weitere dicke Anfrage lag auf ihrem Tisch. „Wenn ich das jetzt annehme, habe ich für mein Herzblutthema überhaupt keine Kapazitäten mehr. Was wenn das jetzt doch anläuft?“

Da hatte sie den berühmten Spatz in der Hand und wollte aber die Taube auf dem Dach. Teil eines solchen Dilemmas ist die tief in uns verwurzelte Annahme, dass es nur entweder-oder gibt. Entweder ich nehme den neuen Auftrag an und habe keine Zeitreserven mehr oder ich verzichte auf das Geld und halte mir den Rücken frei. Die Frage, wie denn ein sowohl-als-auch aussehen könnte, löst häufig zunächst Verwirrung aus. Aber genau die Verwirrung braucht es, um eine Lösung zu finden.

Ich behaupte nicht, dass es immer ein sowohl-als-auch gibt, aber nur mal die Möglichkeit, dass es das geben könnte durchzuspielen, kann durchweg erhellend und entlastend sein.

Für meine Klientin hatte das sowohl-als-auch einen zeitlichen Aspekt. Als die Idee entstand, das Herzblutthema nur für ein paar Monate nach hinten zu schieben und jetzt den Auftrag anzunehmen, konnte sie sich entspannt zurücklehnen. Die Anfrage war für sie wie ein Todesstoß für ihren Traumberuf gewesen und jetzt wurde der neue Auftrag in ihrem Kopf mehr und mehr ihre Chance die Zeit bis dahin zu überbrücken und sogar noch finanzielle Reserven aufzubauen. Nach einer Weile fing sie dann ganz freudig an von ihrer neuen Aufgabe zu erzählen und ich konnte sehen, wie die  anfängliche Erstarrung und Härte, Lebendigkeit und Spaß Platz machte.

Diese Sitzung ist ein gutes Beispiel, wie massiv uns unsere Gedanken(muster) in die Quere kommen können. Die Lösung war eigentlich ganz einfach, aber meiner Klientin alleine nicht zugängig.

Ich würde mir wünschen, dass dieser Satz so einigen Menschenkindern leichter über die Lippen käme. Aber kaum ein Satz klemmt dermaßen, wie das Eingeständnis, mit seinem Latein am Ende zu sein. Das Paradoxe daran: ist dieser Satz aber endlich mal raus, geht es einem häufig besser. Ich beobachte in meinen Coachings immer wieder, dass dieser Satz gerne gemeinsam mit einem Seufzer und einem Zurücklehnen im Sessel einher geht.

In kaum einem Satz stecken so viele Überlagerungen und (Be-)Deutungen wie in diesem. Für viele kommt er einem Eingeständnis des eigenen Versagens gleich. Wieder andere sehen darin den Beweis, dass sie „es“ nicht genug versucht haben. Und dann gibt es noch die, für die dieser Satz die komplett Sinnlosigkeit ihres Daseins und Handelns widerspiegelt.

Aber Fakt ist: Manchmal sind wir eben mit unserem Latein am Ende. Wir wissen dann einfach nicht weiter. Aus welchen Gründen auch immer. Das ist normal, das ist menschlich und das gehört dazu.

Dieses Stadium braucht es, damit Neues entstehen kann. Damit Altes hinterfragt und ggf. verworfen werden kann. Nur wenn wir uns erlauben, nicht (mehr) weiter zu wissen, können wir aus all dem Alten aussteigen.

„Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“ (Henry Ford)

Aber es braucht Mut den Kopf zu heben und über den eigenen Tellerrand zu schauen. Denn was, wenn das, was ich da sehe mir nicht gefällt? Was wenn ich wieder scheitere? Was wenn …

Ja, was wäre denn so schlimm daran wenn? Diese Frage stelle ich meinen Klienten, wenn die angeblichen Einwände gucken kommen. Und ich stelle diese Frage dann nicht nur einmal, sondern bei jedem dieser Einwände. Spielen wir es doch einfach mal durch: Also, was wäre so schlimm daran, wenn Sie sich ab und zu mal eingestehen würden, dass Sie nicht weiter kommen? Flechten Sie Ihre Antwort dann wieder in eine „Was wäre so schlimm daran, wenn XY …“-Frage ein … usw.

Nach einer Weile wird deutlich wie kreuz und quer hier die Gedanken gehen und welche teilweise abstrusen Gedankenkonstrukte hier zugrunde liegen. Viel Spaß beim Ausprobieren – und wenn Sie alleine nicht weiter kommen, ich helfe gern.

„Pflanzenwachstum kann man nicht durch Zerren an den Blättern beschleunigen.“ Dieser wunderbare Satz meines lieben Lehrers Matthias Varga von Kibéd sorgt in den Seminaren und Coachings immer wieder für Erheiterung – und dann für Stille und nachdenkliches Nicken. Wie wahr, wie wahr. Und doch zerren wir an so manchem zarten Pflänzchen. Manchmal sogar ohne Rücksicht auf Verluste. Und wundern uns dann, dass das Pflänzchen auf einmal ziemlich schlapp aussieht.

Ich bin sicherlich auch kein geduldiger Mensch, also kann ich gut nachempfinden, wenn meine Klienten JETZT Dies oder Jenes haben oder erreichen wollen. Aber manchmal ist wirklich der Weg das Ziel. Und wenn „es“ einfach nicht passieren will macht es Sinn – anstelle mit noch mehr Inbrunst an den besagten Blättern zu zerren – innezuhalten und mal zu überprüfen, was man da gerade eigentlich so tut.

In den Coachings erlebe ich häufig, dass dieses Zerren wichtige Dinge überdeckt. Im Außen sieht es durch all die Aktivität so aus, als wenn man sich wirklich um einen neuen Job bemühen würde, als wenn man doch wirklich eine neue Partnerschaft wollte, als wenn man doch wirklich … Und trotzdem klappt es nicht. Man wird zum Opfer, denn schließlich tut man ja.

Wenn ich dann die recht unbequeme Frage stelle, wofür es denn gut ist, dass „Es“ noch nicht passiert ist, schaue ich in fragende Gesichter. Wofür bitte soll denn so was gut sein? Was kann das schon sein, was hier bewahrt werden soll? Ja, was kann das sein? Diese Frage nicht mit einem leicht ungehaltenen Kopfschütteln vom Tisch zu wischen, sondern wirklich man anzuschauen, ist sehr aufschlussreich. Nur muss man um hier weiterzukommen, ehrlich mit sich und zu sich sein. Und die Antworten entsprechen selten dem Bild, das wir ja so gerne von uns hätten. Das ist auch einer der Gründe, warum wir lieber an den Blättern zerren und auf die Umstände schimpfen. Denn dann haben wir gar keine Zeit zu fühlen, dass wir vielleicht Angst haben – Angst vor einer neuen Herausforderung, Angst vor einer neuen Enttäuschung, Angst vor einer Veränderung.
Das ist auch einer der Gründe, warum es häufig nicht hilfreich ist, sich diesen Themen alleine zu nähern. Denn wenn die Angst mit ins Spiel kommt, neigen wir schnell zum Selbstbeschiss. Und der hat selten ein Problem gelöst …

… kann man drinnen aufräumen. Denn es stimmt – auch wenn viele Verfechter der Chaostheorie dies gerne bezweifeln: Ordnung im Außen = Ordnung im Innen. Ich bin nun wahrlich selber nicht die Ordnung in Person und ein gewisses kreatives Chaos brauche auch ich, um mich wohl zu fühlen. Denn zuviel Ordnung ist auch häufig einfach steril. Ich lebe schließlich in meinem Zuhause und erwarte nicht jede Sekunde ein Team von „Schöner Wohnen“ für ein Fotoshooting.

Bei diesem bescheidenen Wetter da draußen kann man sich also – in Ermangelung sonderlich vieler anderer Alternativen – ideal die folgenden Fragen durch den Kopf gehen lassen: Wie viel Ordnung brauche ich? Woran merke ich, dass es jetzt ordentlich genug für mich ist? Was passiert (in mir), wenn es nicht ordentlich ist? Was sind meine Kriterien für Ordnung – und sind es wirklich meine Kriterien oder habe ich sie übernommen?

Lassen Sie doch mal den Blick im Raum schweifen. Alles so okay? Oder wurmt Sie das, was Sie da sehen? Und wenn ja, warum – und wie lange schon?

Sie sehen, schlechtes Wetter ist ideal um innezuhalten und sich umzuschauen. Und wenn Ihnen das, was Sie da so sehen nicht gefällt, ist heute ein idealer Tag um es zu ändern.

Ich erlebe gerade wie hilflos der Tod macht. Und zwar nicht nur mich, sondern auch die Menschen in meiner Umgebung. Einige behandeln mich wie ein rohes Ei. Andere versuchen es mit (gespielter?) Leichtigkeit und viele können mit mir grad überhaupt nichts anfangen. Es scheint fast, als wäre ich gerade der noch lebende Beweis für die eigene Vergänglichkeit oder die Vergänglichkeit der eigenen Eltern.

Und doch finden die, die zu ihrer eigenen Hilflosigkeit und ihren eigenen Themen mit dem Thema Tod stehen, die richtigen Worte oder die richtige Geste. Wie eine ganz liebe Freundin. Wir hatten uns gestern auf unserer gemeinsamen Hunderunde unter einen Baum in den Schatten gesetzt. Und schwups … zauberte sie zwei „Löschzwerge“ (so heißt hier eine sehr leckere Radlermarke) aus ihrer Tasche. Und so saßen wir da, schauten unseren Hunden beim Spielen zu und haben auf meine Mutter angestoßen. Meine Welt war für ein paar Minuten wieder friedlich und rund.

Ja, es sind die kleinen Dinge, es ist das Mitdenken und nicht das Flüchten in Allgemeinplätze und Floskeln, was es in solch emotionalen Zeiten braucht. Auch auf die Gefahr hin, dass man dadurch in Kontakt mit den eigenen Emotionen kommt.

In jeder Minute treffen wir zig Entscheidungen. Trinke ich Tee oder Kaffee? Gehe ich links oder rechts? Nehme ich den Schirm mit oder nicht? Meist sind es kleine Entscheidungen bei denen es nur um ein Ja oder Nein geht. Nichts mit großer Tragweite, aber dennoch alles Kleinigkeiten, die entschieden werden wollen und müssen. Und dann gibt es da die größeren Entscheidungen. Behalte ich den Job oder wechsel ich? Kaufe ich mir XY oder spare ich das Geld? Trenne ich mich oder versuche ich es noch einmal? Eigentlich auch alles Ja oder Nein Entscheidungen, nur sind wir Menschenkinder Meister der Komplexität. Und schon ist das Problem da. Dann ist eine Entscheidung nicht möglich, weil … das Haus muss bezahlt werden… die Kinder gehen noch zur Schule … einen sicheren Job wechselt man in der heutigen Zeit nicht … Alles gute Gründe. Was nur viele übersehen: All diese Gründe sind das Ergebnis von Entscheidungen, die wir irgendwann einmal getroffen haben. Irgendwann einmal gab es das Ja zu diesem Haus, das einen heute daran hindert, einfach die Koffer zu packen und irgendwo was Neues anzufangen. Irgendwann einmal hat man zu diesem Partner Ja gesagt und irgendwann einmal hat man gemeinsam die Entscheidung getroffen, Kinder zu haben. Irgendwann einmal hat man sich für eben diesen Job entschieden. Vielleicht aus bestimmten rationalen Gründen. Aber auch hier hat man sich entschieden, diesen Gründen Gewicht zu geben.

Und so zieht eine Entscheidung die nächste hinter sich her. Unser Leben ist eine unendliche Aneinanderreihung von Entscheidungen. Und irgendwann steht man dann vor den Konsequenzen all dieser Entscheidungen. Und der Frage: Wie geht es weiter?

Mein Tipp: Hier hilft die Entscheidung, sich die bisherigen Kriterien die zur Entscheidung geführt haben, einmal in aller Ruhe anzuschauen. Denn manchmal sind das garnicht unsere Kriterien nach denen wir das Haus, den Job oder den Partner ausgesucht haben. Sondern die Kriterien unserer Umwelt, die wir mein(t)en, befriedigen zu müssen.

Was willst du wirklich? ist eine Frage, die viele recht schnell ins Schleudern bringt. Meist kommen dann Wünsche und Ziele, die das komplette Kontrastprogramm zum jetzigen Leben darstellen – und allein deshalb zum Scheitern verurteilt sind. Und dieses Wissen macht dann gleich noch unzufriedener. Man hat das Gefühl festzusitzen.

Hier einmal in aller Ruhe hinzuschauen und sich auf die Entdeckungsreise zu den eigenen Kriterien zu machen, ist kein leichter Weg. Viele ziehen den radikalen Rundumschlag da doch vor. Und landen einige Zeit später in einer anderen Stadt, in einem anderen Job, in einem anderen Haus, mit einem anderen Partner in der gleichen Sch… Unzufriedenheit wollte ich sagen. ;-)

Bevor man jedoch all diese Kosten und Mühen auf sich lädt, rate ich zu ein oder anderen Coaching-Sitzung. Die Investition ist im Vergleich mehr als überschaubar.

Und noch ein Buchtipp hierzu: Die Entscheidung liegt bei dir!: Wege aus der alltäglichen Unzufriedenheit von Reinhard K. Sprenger

Eines der Hauptthemen im Coaching ist die berufliche Veränderung. Entweder weil man sich verändern will oder weil man seinen Job verloren hat oder bald verliert. Aber egal ob man sich mit dieser Frage freiwillig auseinandersetzt oder weil man muss: Bei diesem Thema geht es immer um mehr als „nur“ einen neuen Job. Leider sind viele Klienten hier schnell ungeduldig und gönnen sich nicht die Zeit, in Ruhe zu schauen – im Innen und im Außen.

Denn ein Job ist auch ein großer Teil unseres Selbstbildes und wie wir von anderen gesehen werden (wollen). Hier zu schauen, was am alten Job gut war und was nicht gut war ist ein erster wichtiger Schritt. Dazu gehört auch herauszufiltern, was die Motivation für den Job war. Auf der Basis dieser Informationen dann zu schauen, wie ein neuer Job aussehen könnte, ist der nächste Schritt. Und hier ist es wichtig, ohne jedes Wenn und Aber zu schauen. Einfach mal spinnen ist hier die Devise. Nichts ist unmöglich, kein Gedanke verboten.

Ich orientiere mich hier gerne an der Walt-Disney-Strategie aus dem NLP. Die Methode geht auf Robert B. Dilts zurück, der über den berühmten Filmproduzenten und Zeichentrick-Pionier Walt Disney schrieb: „…tatsächlich gab es drei Walts: den Träumer, den Realisten und den Miesepeter – …there were actually three different Walts: the dreamer, the realist, and the spoiler“

  1. Der Träumer ist subjektiv orientiert und enthusiastisch, enthält sich aber eines praktischen Urteils zu einer Idee oder Analyse.
  2. Der Realist nimmt einen pragmatisch-praktischen Standpunkt ein, entwickelt Aktivitätenpläne und untersucht die notwendigen Arbeitsschritte, -mechanismen und Voraussetzungen.
  3. Der Kritiker fordert heraus und prüft die Vorgaben der anderen. Ziel ist konstruktive und positive Kritik, die mögliche Fehlerquellen identifizieren hilft.

Für viele Menschen ist es alleine sehr schwierig diese drei Positionen sauber voneinander zu trennen. Denn der Kritiker redet dem Träumer einfach gerne rein. Hier braucht es – zumindest beim ersten Mal – die Begleitung im Außen.

© 2011-2012 Coach Karin Intveen v1